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Leben im Umbruch
Die Umwälzungen der Gesellschaft in den 1920er Jahren, denen sich die Weltkriegsgeneration stellen musste, waren tiefgreifend und sind bis heute nachwirkend.
Friedrich Wolf und Martin Gumpert waren maßgeblich beteiligt, als neue Gedanken und Wege in der Medizin jener Zeit betreten wurden.
Ihre sozialmedizinischen Konzepte und Projekte sowie ihre Vorstellungen einer Medizin, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, waren und sind bis heute wegweisend. Nicht nur als Ärzte, auch als Schriftsteller haben Friedrich Wolf und Martin Gumpert diese Zeit intensiv begleitet.
Der Vortrag zum Thema „Die Krise der Medizin in den 1920er Jahren“ von Dr. med. Otto Ziehaus wird daher von Gedichten und Texten beider Autoren, die die Zeit lebendig werden lassen, begleitet, gelesen von Jana Weinert.
Dr. med. Otto Ziehaus ist Facharzt für Nervenheilkunde. Nach oberärztlicher Tätigkeit im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in der Psychosomatik und in der Neurologie im Theodor-Wenzel-Werk ist er seit einigen Jahren ambulant tätig mit kassenärztlicher Niederlassung in Berlin. Komplementärmedizinische Ansätze begleiten seine ärztliche Tätigkeit seit 20 Jahren. Dazu kommen Vorträge und Lehrtätigkeit im Bereich der Komplementärmedizin seit vielen Jahren.

Der neue postliberale Kapitalismus und wie er die Welt und Deutschland im Innern verändert
Wir erleben heute einen weltgeschichtlichen Umbruch. 500 Jahre europäischer und nordatlantischer Dominanz der Welt enden, und ein nachwestliches Zeitalter ist eingetreten. Das Zentrum der Weltwirtschaft hat sich von Norden und Westen nach Süden und Osten verschoben. China gelingt, woran die Sowjetunion am Ende historisch scheiterte. Verbunden mit dem Aufstieg Chinas ist auch der des globalen Südens. Eine multipolare Welt ist geboren und irreversibel. Zugleich schließt dies Versuche, diesen Prozess aufzuhalten, nicht aus. Entstanden ist damit eine Welt voller Risiken, die Züge der Zeit vor 1914 aufweist. Die Frage ist, wie diese Risiken minimiert werden mögen. Eine neue Blockkonfrontation droht die Chancen einer sozial gerechten, demokratisierten, friedlichen Welt dauerhaft zu untergraben. Die Welt steht am Scheideweg, ein ökonomisch kriselndes und zunehmend isoliertes Europa vor großen Entscheidungen und Herausforderungen.
Der Vortrag beschäftigt sich mit diesen Fragen und beschreibt die Auswirkungen der neuen Welt(wirtschafts)ordnung auf Deutschland und seine Gesellschaftsstruktur. Er befragt die deutsche und europäische Aufrüstungspolitik nach ihren ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Konsequenzen und schlägt Wege für einen alternativen Weg aus Deutschlands und Europas tiefer Krise vor, die im Einklang mit der sozialen Gerechtigkeit, der Demokratie, dem Frieden und der Ökologie stehen.
Ingar Solty ist Referent für Zeitdiagnose bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Autor zahlreicher Bücher wie „Die USA unter Obama“ (2013), „Trumps Triumph?“ (2025), „Innere Zeitenwende“ (2026, i.E.) und der 36-bändigen „Edition Marxismen“ (2025-2027).

Schwebende Lasten
Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause – mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist.
Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands – und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.
Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 als Schriftstellerin in Berlin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Romanen "Moskauer Eis" (2000) und "Walpurgistag" (2011). Zuletzt erschien bei Hanser ihr gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann verfasster Bestseller "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" (2024). Annett Gröschner wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Großen Kunstpreis Berlin (Fontanepreis), dem Klopstock-Preis und dem Mainzer Stadtschreiber Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Oranienburg im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwochen.
